Apr 11

Wunschpost: Tweets, selbst ernannte Experten und silberne Selleries

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„Twitter, re:publica oder Berlin – über welches Thema soll ich im Blog schreiben?“

Diese Frage habe ich neulich in meinen sozialen Netzwerken gestellt. Auch @netzgewandt beteiligte sich an der Umfrage. Die Antwort: „Kann mich nicht entscheiden… Twitter oder re:publica … oder beides… Wäre toll!“ Ich komme diesem Wunsch gerne nach und kombiniere einfach zwei Themen.

Lesen Sie, mit wie viel Skepsis ich einst meine ersten Tweets verschickte, welchen Einfluss selbst ernannte Twitter-Experten auf mich hatten und was die Verleihung der Silbernen Sellerie auf der re:publica 2012 mit allem zu tun hat. 

Am 21. März hatte die Community einen Grund zum Feiern: sieben Jahre Twitter. Auch ich schloss mich den Glückwünschen an den Kurznachrichtendienst an. Während ich meinen Happy-Birthday-Tweet schrieb, wurde mir bewusst, wie selbstverständlich die Echtzeitkommunikation für mich geworden ist: Ich schaue fast täglich nach, ob jemand auf meine 140 Zeichen reagiert hat und antworte. Wenn ich ein Thema für meinen Blog oder für meine Workshops recherchiere, dann setze ich auf #FollowerPower: Kurz die Frage twittern und bald Infos von virtuellen Kollegen bekommen. Mit den Jahren habe ich eine wahre Twitter-Denke und -Schreibe entwickelt. Ob ich nun auf dem Weg zu einem Meeting bin, beim Shoppen in Mitte oder ein Buch lese – immer wieder drängeln sich Ideen für News dazwischen, die ich bald via Twitter kommuniziere.

Der erste Tweet – irgendwie muss man ja anfangen

Aber so war es nicht immer. Ich benötigte mehrere Anläufe, um Twitter zu verstehen. Ich sehe mich noch, wie ich 2008 meinen ersten Account erstellt habe: Vor- und Zuname sowie E-Mail-Adresse und Passwort eintippen – schon war ich dabei. Und jetzt? Ratlos starrte ich auf den Monitor und auf die leere Timeline. Was soll ich schreiben? Und liest das überhaupt jemand? Dann verfasste ich meinen ersten Tweet: „textinsicht ist jetzt bei Twitter. Ich freue mich auf den Austausch.“ Oder so ähnlich. Originell ist etwas anderes, aber irgendwie musste man ja anfangen.

Figur mit Lupe, die eine Spur verfolgt.

Woran erkennt man Twitter-Experten? (Bild: Texelart/Fotolia)

Sprechen Tausende von Followern für sich?

Ich wollte mehr über das Thema wissen, also recherchierte ich bei Google. Wahrscheinlich gab ich die Kombinationen „Twitter professionell nutzen“ oder „Twitter für Anfänger“ ein. Ein paar Mausklicks weiter erschienen auch schon die ersten Experten in der Trefferliste. Ich surfte auf ihre Accounts und war zunächst schwer beeindruckt: Sprechen Tausende von Followern nicht für sich?

Alles legal – jeder Tweet bringt Geld!

Auch das sehe ich mittlerweile anders. Wenn ich jemand Neues auf Twitter entdecke und der zig Tausende oder gar Millionen Follower hat, dann werde ich eher misstrauisch. Außer, es handelt sich um US-Promis wie Lady Gaga oder Ashton Kutcher. Für mich riecht es nach aufgeblasenen Accounts von Personen, Unternehmen oder gar Maschinen, die „Ja! Ich will!“ sagen zu Diensten wie „Follower-Aufbau-Service“ und die Follower gar „als Kapital des Unternehmens“ betrachten. Oft werden über diese Accounts Tweets im Akkord versendet und die Direktmitteilungen enthalten verbotene Werbebotschaften wie „Willkommen in meinem Netzwerk! Hier gibt’s noch mehr tolle Produkte …!“ Die selbst ernannten Twitter-Experten, die hierfür verantwortlich sind, wissen natürlich, „Warum man unbedingt jetzt die Anzahl der Follower massiv ausbauen sollte“, und versprechen, dass „jeder Leser der Nachrichten Geld bringt“. Immerhin verwenden diese Spezialisten für den Follower-Aufbau nach eigenen Angaben „ausschließlich legale Methoden“. Wie beruhigend.

Von Rockstars und Gemüse

Bei so viel Marketing-Blabla schüttelt es mich. Und so scheint es auch einem großen Teil der Community zu gehen. Auf der re:publica 2012 saßen viele von uns im Publikum und kürten mit Buhrufen und Pfiffen den schlechtesten professionellen Onlinefilm des Jahres, der schließlich mit der Silbernen Sellerie prämiert wurde. Dieser Auszeichnung ist ein Twitter-Experte nur ganz knapp entgangen. Für uns war sein „Social-Media-Rockstar-Strategie-Coaching“ kein „ganz besonderes Ereignis“. Mag sein, dass sich andere auf solchen Events wohlfühlen. Ich besuche lieber die re:publica 2013 und erhalte dort wertvolle Tipps und Impulse.

1 Kommentar

  1. Frank Hamm
    12. April 2013 um 17:51 Uhr · Antworten

    Vielen Dank für die Einblicke, Insa. Mir ging es damals und geht es heute auch so. Um so mehr freue ich mich, wenn dann dem gegenseitigen Followen zweier Twitterati ein Treffen auf der re:publica folgt 🙂 Vielen Dank für unser Treffen letztes Jahr!

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