Mrz 15

Raus aus dem Netz und rein ins Leben – so werden aus anonymen Social-Media-Kontakten wertvolle Businesspartner

Freunde fürs Leben? Das eher nicht. Aber: Wer Kontakte im Social Web professionell aufbaut und pflegt, gewinnt Geschäftspartner. (Bild: Frank Hamm)

„Was bedeuten Ihnen Freunde, Kontakte und Kontaktanfragen im Social Web?“, möchte Frank Hamm in seiner Blogparade wissen. Hier mein Beitrag:

Donnerstagabend. Ein langer Arbeitstag liegt hinter mir. Ich habe in den vergangenen Stunden Newsletter geschrieben, Texte redigiert, telefoniert und einen Workshop vorbereitet. Jetzt noch schnell in den Supermarkt und Milch kaufen.

Freunde fürs Leben? Das eher nicht. Aber: Wer Kontakte im Social Web professionell aufbaut und pflegt, gewinnt Geschäftspartner. (Bild: Frank Hamm)

Während ich so herrlich offline Richtung Kühlregal schlendere, spricht mich ein mir völlig Fremder an: Einen halben Kopf kleiner als ich, Schnurrbart, rot-verwaschenes Jackett Marke „Messetyp“.

Bestimmt ist der schon zur Schule gegangen, als es mich noch gar nicht gab. „Hier hast du meine Karte!“, poltert er und drückt mir ein 8,5×5,5-Standardformat in die Hand. „Willkommen in meinem Netzwerk! Grüß Gott!“, spricht’s und stürmt zum nächsten Kunden.

„Netzwerk“, „Du“, „Gott“? Was war das denn jetzt? Ich verharre eine Weile vor dem Regal mit der fettarmen Milch und gehe zur Kasse. In der Hand die Karte des Jackett-Trägers – sonst nichts.

Ähnlich perplex bin ich bei manchen Kontaktanfragen, die ich auf Xing erhalte. Und zwar dann, wenn der Netzwerkwillige so gar nichts mit mir als Person oder Geschäftsfrau zu tun hat.

Kontaktejäger? Nein danke!

Ein Klick auf das Profil des Fremden spricht oft für sich: Hier ist ein Kontaktesammler, ach was schreibe ich, Jäger unterwegs. Über 14.000 hat er schon bei Xing gehortet. Möchte ich teil seiner Online-Beute werden? Nein danke. So eine Anfrage finde ich genau so sexy wie das plumpe Visitenkarten-in-die-Hand-Gedrücke auf eigens dafür kreierten Massenevents. Am Ende des Abends gehst du mit zig Karten, Flyern und Broschüren nach Hause und kannst dich am nächsten Tag an keinen Small Talk mehr erinnern.

Xing: Warum Kontaktjäger ohne Manieren bei mir keine Chance haben. #Blogparade Klick um zu Tweeten

Die Kombi aus Gemeinsamkeiten und Ansprache macht’s

Ich finde es viel interessanter, wenn sich jemand mit meinem Xing-Profil auseinandergesetzt hat oder auf Gemeinsamkeiten in seiner Anfrage hinweist. Dann kommt es oft vor, dass mein rechter Zeigefinger den Kontakt per Mausklick bestätigt. Und dafür schätze ich das Netzwerk auch: Ich selbst wähle aus, wessen Statusmeldungen ich lesen möchte. Diese Kombi aus „Gemeinsamkeiten“ und „persönlicher Ansprache“ funktioniert auch in der Offline-Welt: Meine Xing-Kontakte informieren mich über interessante Veranstaltungen. Darunter sind zum Beispiel: Branchenevents (Berlin Web Week) oder einfach nur Treffen mit spanisch sprechenden Menschen (Spanish Business Club Berlin). Meist sind unter den Teilnehmern viele, die auf der gleichen Wellenlänge sind wie ich.

Vis-à-vis-Gezwitscher, dann klappt’s auch mit den Followern

Ähnlich ist es bei Twitter: Klar, ich kann mich nicht mit allen treffen, denen ich folge. Aber wer es in meine Liste „persönliche Tweets“ geschafft hat, hat gute Chancen, dass ich ihn auf einen Kaffee einlade. So habe ich zum Beispiel die Social-Media-Lady Anja Beckmann kennengelernt. Irgendwann hatten wir uns mal 140-Zeichen über das Thema „England“ hin- und hergetwittert. Seltsam dabei: Zwar kannte ich diese rothaarige Frau gar nicht, dennoch stellte sich schnell etwas kollegial Vertrautes ein. Beim ersten Treffen in Berlin haben wir unser Gezwitscher einfach außerhalb des Social Web fortgeführt.

Fazit: Beziehungen pflegen und …

Und was bedeuten mir nun meine Follower und Kontakte? Viel, wenn die Basis des medialen Austausches stimmt: Man gibt sich zum Beispiel gegenseitig Tipps, ohne dabei gleich an den nächsten Auftrag zu denken. Wie es Frank Hamm in seinem Blog geschrieben hat, sind „Beziehungen kein Status, sondern ein ständiger Prozess.“ Wenn beide Seiten, ob nun via Xing, Twitter, Facebook oder Google+, daran arbeiten, ist vieles möglich.

 

Auf dem Bild ist eine PC-Tastatur zu sehen. Auf der Enter-Taste steht "Pause".

Mittagessen für Medien macher: Auf Pause klicken und Branchenkontakte knüpfen. (Foto: jd-photodesign/Fotolia

… Treffen organisieren

Zudem geht für mich nichts über den persönlichen Kontakt. Deswegen organisiere ich in Berlin das Mittagessen für Medienmacher. Einmal im Monat lunchen Social-Media-Manager, Grafiker, Texter oder PR-Leute und knüpfen Kontakte in ihrer Offline-Pause.

Vorsicht an alle Jäger und Sammler, auch hier gilt: Visitenkartenwerfer sind nicht erwünscht. Vielleicht sitzen Sie beim nächsten Mittagessen mit uns am Tisch?

 

 

8 Kommentare

  1. Anja Beckmann
    15. März 2013 um 9:02 Uhr · Antworten

    Hallo Insa,

    ich kann dir nur zustimmen!

    Toll, dass sich aus unserem zufälligen Treffen bei Twitter ein netter Kontakt – auch offline – ergeben hat.

    Liebe Grüße
    Anja

    • Insa Künkel
      15. März 2013 um 10:06 Uhr · Antworten

      Melede dich, wenn du wieder in Berlin bist. Ich habe da einen Gastrotipp für dich. Dort gibt es leckeres deftiges Essen. Würde sich auf deinem Foodblog bestimmt gut machen.

  2. Frank Hamm
    15. März 2013 um 9:53 Uhr · Antworten

    Hallo Insa,

    ein sehr schöner Beitrag zur Blogparade, mit dem Du mir aus dem Herzen sprichst!

    Ich freue mich schon auf das nächste Treffen „im richtigen Leben“, obwohl wir uns online schon lange „kannten“ 😉

    Liebe Grüße
    Frank

    • Insa Künkel
      15. März 2013 um 10:04 Uhr · Antworten

      Wir sehen uns spätestens auf der rp13, oder? Dann ist ein Kaffee fest geplant. Das Thema deiner Blogparade war eine wunderbare Steilvorlage. Da muss einem als Texter und Social-Media-Mensch einfach etwas einfallen.

  3. Sabine Kinzel
    15. März 2013 um 10:49 Uhr · Antworten

    Hallo liebe Insa, auch wenn ich so gar nicht aus Deiner Branche komme, aber Du sprichst mir sehr aus der Seele und deshalb bin ich auch bei „Schöne Aussichten“ e.V. eingetreten!!! Ich hoffe, das Klima bleibt auch so und bewahrt sich das „Besondere“ netzwerken.
    liebe Grüße und hoffentlich auf Bald,
    Sabine

    • Insa Künkel
      15. März 2013 um 11:16 Uhr · Antworten

      Liebe Sabine, wir werden es uns auch in Zukunft bei Schöne Aussichten gut gehen lassen. Die 3x-ausprobieren-Regel schreckt die richtigen Leute ab und zieht so tolle Menschen wie dich an!
      Bis ganz bald – Insa

  4. Stefanie Möller
    15. März 2013 um 11:00 Uhr · Antworten

    Du sprichst mir aus der Seele, liebe Insa :). Ich hatte heute noch so einen „Anrempler“ wie Du ihn beschreibst und war zunächst unschlüssig, wie ich damit umgehe. Dein Blogpost hat mich jetzt inspiriert …

    Wir kennen uns bisher auch „nur“ online – vielleicht klappt es auf der rp13 dann auch mit einem persönlichen Kennenlernen, würde mich sehr freuen.

    LG, Stefanie

    • Insa Künkel
      15. März 2013 um 11:19 Uhr · Antworten

      Stafanie, auf unseren ersten Live-Kaffee auf der rp13 freue ich mich schon jetzt. Ich überlege, ob ich ein „Mittagessen für Medienmacher – rp13-Special“ während der rp organisiern soll. Hättest du Interesse?

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